Aus dem Kunstmuseum Wolfsburg nach Berlin

Begrüßung

Barbara Höffer | Kommunale Galerie Berlin

Norbert Wiesneth | Kommunale Galerie Berlin

Einführung

Christoph Tannert | Kunsthistoriker

Mit der Ausstellung Iryna Vorona. Im Angesicht des Krieges ist ab dem 27. Februar 2026 eine eindringliche künstlerische Position in Berlin zu sehen, die sich mit den unmittelbaren Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine auseinandersetzt. Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Kunstmuseum Wolfsburg und wird in der Kommunalen Galerie Berlin präsentiert.

Zuvor war die Ausstellung im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen. Dort bildete sie einen zentralen Beitrag zur Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst im Kontext politischer und gesellschaftlicher Gegenwart. Die Präsentation in Berlin knüpft nun an diese Station an und führt die Ausstellung in einem neuen räumlichen und städtischen Kontext fort.

Zwischen Angst und Hoffnung, Verlust und Zusammenhalt, Momenten des Abschieds und des Wiedersehens finden die Werke der ukrainischen Künstlerin Iryna Vorona (*1987) eindrückliche Bilder für die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Zivilbevölkerung von Kyjiw. Ihre Kohlezeichnungen nehmen vor allem Kinder, Frauen und ältere Menschen in den Blick – jene, die den Schrecken des Krieges oft am unmittelbarsten ausgeliefert sind. Die Werke werden so zu einem bewegenden visuellen Tagebuch, das nicht nur die Grausamkeit des Krieges zeigt, sondern auch den unerschütterlichen Überlebenswillen und die tiefe Menschlichkeit der Porträtierten. Mit feinen Linien und expressivem Strich hält Iryna Vorona sowohl individuelle Schicksale als auch kollektive Erfahrungen fest. Ihre Arbeiten sind zugleich künstlerische Dokumente und ein Mahnmal gegen das Vergessen.

Die Ausstellung Iryna Vorona. Im Angesicht des Krieges in der Kommunalen Galerie Berlin präsentiert eine Auswahl an Zeichnungen sowie das Video I’m Paving the Way. Letzteres entstand aus Voronas persönlichen Erfahrungen während ihrer Isolation in den von russischen Truppen besetzten Vororten von Kyjiw im Frühjahr 2022. In dieser Zeit, als medizinische Versorgung, Lebensmittel und grundlegende Freiheiten unerreichbar wurden, führte die Künstlerin Tagebuch – nicht mit Worten, sondern mit Bildern. Das Video, begleitet von Textfragmenten aus diesen Aufzeichnungen, macht die existenzielle Unsicherheit und die Zerbrechlichkeit des Alltags in Zeiten des Krieges spürbar.

Die gezeigten Arbeiten stammen zum Teil aus Iryna Voronas Serie Kriegstagebuch: Porträtarchiv, die während der ersten 248 Tage nach Kriegsbeginn entstanden sind. Sie dokumentieren die unmittelbaren Auswirkungen des Krieges auf die Schwächsten der Gesellschaft. Voronas Kunst ist dabei nicht nur ein Zeugnis des Leids, sondern auch ein Ausdruck von Widerstand und Hoffnung.

„Ich wollte die Auswirkungen des Krieges im Herzen Europas auf die am wenigsten geschützten Menschen dokumentieren und die Schwierigkeiten zeigen, die sie im täglichen Kampf umgrundlegende Rechte und Freiheiten durchmachen müssen“, beschreibt Iryna Vorona ihr Schaffen.

Die Zeichnungen zeichnen sich durch eine große emotionale Dichte aus. Feine Linien wechseln sich mit expressiven, verdichteten Flächen ab. Gesichter erscheinen verletzlich, angespannt und erschöpft, zugleich aber präsent und würdevoll. Die Arbeiten vermeiden Pathos oder symbolische Überhöhung und bleiben nah an den individuellen Schicksalen der dargestellten Menschen. Gerade in dieser Zurückhaltung entfalten sie ihre eindringliche Wirkung.

Neben den unmittelbaren Kriegserfahrungen thematisiert die Ausstellung auch erzwungene Migration und das Ankommen in neuen Lebensumständen. Voronas Arbeiten erzählen von Verlust, Entwurzelung und Unsicherheit, aber ebenso von Zusammenhalt, Widerstandskraft und der Hoffnung auf Frieden. Die Zeichnungen eröffnen persönliche Perspektiven, die jenseits tagesaktueller Berichterstattung liegen.

Kurz nach dem vierten Jahrestag des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskrieges auf die Ukraine setzt die Ausstellung ein bewusst stilles Zeichen. Sie versteht sich nicht als politische Analyse, sondern als künstlerische Annäherung an eine Realität, die bis heute anhält und zahlreiche Menschen betrifft.

Neben den Werken aus der Ukraine zeigt die Ausstellung auch Arbeiten aus Iryna Voronas Serie FLUCHT (Forced to Leave Ukraine. Course of Survival. Happiness and Tears) . Seit ihrer Ankunft in Deutschland im Herbst 2023 setzt sie sich mit den Themen der erzwungenen Migration, Identität und Anpassung auseinander. In diesen Zeichnungen verwebt sie die Erfahrungen von Migrant:innen und Geflüchteten zu einem kollektiven Bild von Zusammenhalt und Resilienz. So symbolisiert die Darstellung ineinander verschlungener Hände die Kraft der Gemeinschaft, die hilft, ein fremdes Umfeld als neues Zuhause zu begreifen.

Die Ausstellung findet im Zusammenhang des vierten Jahrestages des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine statt. Sie ist in Kooperation mit dem Kunstmuseum Wolfsburg entstanden, wo sie vom 26. Februar bis 25. Mai 2025 zu sehen war.

Die Ausstellung wird am 26. Februar 2026 um 18 Uhr in der Kommunalen Galerie Berlin eröffnet. Zur Einführung spricht der Kunsthistoriker Christoph Tannert.

Die Ausstellung ist bis zum 10. Mai 2026 zu sehen, der Eintritt ist frei.

Der Text wurde von der Website der Kommunalen Galerie Berlin und der Website des Kunstmuseums Wolfsburg übernommen.

Fotos: Piotr Bialolglowicz, Viviane Linek, Iryna Vorona.