Der Gegenmythos der Sicherheit zu Hause

Jahr: 2022.

Medien: Land-Art-Installation, Video.

Ort: Ukraine.

Förderung: Kulturzentrum „Totem“ mit Unterstützung des EU-Programms „Haus Europas“.

Materialien: Fäden unterschiedlicher Stärke und Transparenz, Baum; Strahler; Glas; Metall; LED-Lichtband; Agro-Gewebe; gruselige Details.

Mit meiner Fadeninstallation habe ich den Mythos der Sicherheit, in dem wir seit mehr als acht Monaten leben, in die materielle Ebene übertragen. Ein Schutzraum aus einem Netz aus Fäden ist eine Allegorie auf den heutigen Mythos der Sicherheit, denn in der Ukraine gibt es derzeit keinen sicheren Ort. Trotz allem können die Ukrainer ihre Heimat nicht verlassen. Sie werden knietief im Boden stehen, frierend, hungrig, aber stark und frei in ihrem Zuhause.

Jeder Mensch hat seinen eigenen Glauben; damit ist nicht der religiöse Glaube gemeint, sondern alltägliche Überzeugungen über einfache Dinge, die uns umgeben. Die Wahrnehmung des Kunstwerks hängt also von diesem wahren Glauben in uns ab. „Das bekannte und unverständliche Sprichwort, das dem Kirchenlehrer Tertullian zugeschrieben wird – ‚credo quia absurdum est‘ (ich glaube, weil es absurd ist) – charakterisiert das psychologische Wesen des Glaubens“, skizziert M. Berdjajew. Wenn also die Häuser in der Ukraine nicht sicherer sind als ein Spinnennetz, dann visualisiere ich das. Durch die Installation von Fäden materialisiere ich den Mythos der Sicherheit, in dem wir seit mehr als acht Monaten leben. Ein Schutzraum aus einem Netz aus Fäden ist eine Allegorie auf den heutigen Mythos der Sicherheit, denn es gibt heute keinen sicheren Ort in der Ukraine. Unser Zuhause, unser sicherer Ort, ist nicht mehr derselbe. Es spielt keine Rolle, ob man ein stabiles Haus aus Beton oder Holz hat oder gar kein Haus – man ist derselben Gefahr ausgesetzt. Trotz allem können die Ukrainer ihre Häuser nicht verlassen. Sie werden knietief im Dreck stehen, frieren, hungern, aber stark und frei in ihrem Zuhause sein.